Manchmal beginnt eine Geschichte nicht mit dem Himmel, sondern mit dem Boden. Mit der Frage, was unter uns liegt.
Mich hat die Vorstellung beschäftigt, dass die Erde nicht nur eine Kruste, sondern ein Körper ist — lebendig, mehrschichtig, vielleicht sogar bewusst. Die alten Mythen sprechen von der Hohlerde, von inneren Reichen, von Sonne und Meeren unter der Oberfläche. Die Wissenschaft widerspricht. Doch die Faszination bleibt: Wenn dort unten niemand war, woher wissen wir, dass es leer ist?
Aus dieser Spannung entstand „Infernum 7“.

Ich wollte kein klassisches Abenteuer über Entdecker schreiben, sondern ein psychologisches Protokoll über drei Männer, die tiefer steigen, als sie ertragen können. Professor Sterling, Keller und Pike — Wissenschaft, Handwerk und Dokumentation. Jeder glaubt, er verstehe, was Wahrheit bedeutet.
Doch Wahrheit verhält sich unten anders.
In der wirklichen Welt würde kein Mensch mit einem Bohrfahrzeug in die Erde fahren. Man würde Proben nehmen, Sensoren einsetzen, vielleicht Drohnen schicken.
Aber Fiktion erlaubt, was Neugier verbietet.
In der Fiktion darf eine Maschine wie Infernum 7 existieren: halb Bohrer, halb Drache, gebaut aus Metall, Instinkt und Hybris.

Mich reizte das Bild: ein gigantischer Bohrkörper, der sich durch die Erdschichten frisst, während in ihm drei Menschen sitzen, die allmählich vergessen, warum sie überhaupt hinabsteigen.
Die Tiefe als Ort der Offenbarung, aber auch als Spiegel.
Was, wenn das, was dort unten wartet, nicht das Unbekannte ist, sondern das, was wir oben verdrängt haben?

„Infernum 7“ verknüpft wissenschaftliche Obsession mit Mythologie.
Der Gedanke, dass unter der Oberfläche eine Zivilisation existiert, ist hier nicht kindlicher Aberglaube, sondern logische Konsequenz: Wenn die Erde so alt ist wie das Universum, warum sollte Intelligenz nur außen entstehen?
Die Wesen dort unten sind keine Monster, sondern Spiegel unserer Evolution — die Version, die wir hätten werden können, wenn wir anders gewählt hätten.
In meinen Skizzen stand die erste Idee fest:
Ein Bohrfahrzeug verschwindet im Erdinneren, taucht in eine leuchtende Welt aus Basalt, Pilzen und Stein-Städten.
Das Licht kommt von unten.
Die Wände atmen.
Und die Menschen darin verstehen zu spät, dass sie nicht graben, sondern etwas wecken.

Das Motiv der Hohlerde war nur der Anfang. Dahinter liegt die größere Frage:
Was, wenn die Erde selbst ein Speicher ist?
Ein Archiv für Zivilisationen, die kamen und verschwanden, ohne dass wir ihre Stimmen noch hören können.
„Infernum 7“ ist also kein Märchen über Mut, sondern ein Bericht über Vermessenheit.
Drei Menschen dringen in die Tiefe vor, um Wissen zu finden – und finden sich selbst als Teil eines größeren Versuchs.
Denn wer die Erde öffnet, öffnet auch sich.