Sommerfest Satellite City
In der Urfassung beginnt Jordans Zusammenbruch während eines Sommerfests in Satellite City zur Zeit einer Eclipse. Intro Was dreht sich leise, wenn der Mond dich...
In der Urfassung beginnt Jordans Zusammenbruch während eines Sommerfests in Satellite City zur Zeit einer Eclipse.
Intro#
Was dreht sich leise, wenn der Mond dich ansieht?
Jordan Bennett stand auf dem Hauptplatz von Satellite City, einem kleinen, aber lebhaften Städtchen im Herzen des Landes. In der einen Hand hielt er einen Becher Limonade, in der anderen die Schutzbrille, die er gleich aufsetzen würde. Die Luft war aufgeladen, voller Stimmengewirr, Gelächter und aufgeregtem Rufen.
Doch dann, plötzlich ein Knall durchbrach das Chaos: scharf, metallisch. Ein zweiter folgte, dann ein lautes Krachen, als etwas Schweres auf Blech schlug. Jordans Herzschlag setzte einen Moment aus. Er drehte den Kopf.
Die Enge der Menschenmenge wurde ihm bewusst. Fremde Schultern streiften ihn und drängten sich dicht an dicht, Kinder laufen mit Zuckerwatte zwischen den Beinen der Erwachsenen hindurch und Straßenkünstler unterhalten die Menge.
Das jährliche Sommerfest war in vollem Gange, doch dieses Mal versprach ein besonderes Ereignis, alles zu überstrahlen: eine totale Sonnenfinsternis. Jordan war nie ein großer Fan von Menschenmengen, aber selbst er konnte sich dem elektrisierenden Gefühl nicht entziehen.
Er wirkt auf den ersten Blick unscheinbar, was ihm oft zugutekommt, wenn er recherchiert oder in Menschenmengen untertaucht. Doch wer ihn genauer ansieht, erkennt schnell die Energie und Intelligenz in seinen Augen. Seine Haare sind Dunkelbraun, leicht zerzaust, als würde er ständig gedankenverloren hindurchfahren.
Seine Kleidung war meist schlicht und praktisch: Jeans, Lederjacken, Kapuzenpullover, die ihm Bewegungsfreiheit ließen und ihn unauffällig wirken ließen. Er trägt in der Regel immer eine Tasche mit Notizbüchern, einem Laptop und einer alten Kamera bei sich. Doch er hat eine Auffälligkeit, die ihn stört. Eine feine, kaum sichtbare Narbe an der Stirn, ein Überbleibsel eines Unfalls in der Kindheit, an das er sich allerdings nicht erinnern kann.
Die Lautsprecher auf dem Platz überschlugen sich beinahe mit ihren Durchsagen: „Nur noch fünf Minuten bis zur totalen Sonnenfinsternis!“ Die Menge jubelte, Menschen hielten ihre Kameras bereit, Kinder lachten aufgeregt, während Eltern ihnen die speziellen Schutzbrillen zurechtrückten.
Die Sonne, majestätisch und allgegenwärtig, begann langsam hinter dem dunklen Schatten des Mondes zu verschwinden. Ein gedämpftes Raunen ging durch die versammelten Zuschauer, als der Himmel sich verfärbte eine surreale Mischung aus violettem Dämmerlicht und aschgrauen Schatten. Es war, als würde die Welt in einen unnatürlichen Dämmerschlaf versinken.
Etwas an diesem Tag fühlte sich… falsch an. Zu laut. Zu bunt. Und gleichzeitig zu still dahinter. Mit rastlosem Blick hob er die Schutzbrille an, nur einen Moment, nur um selbst zu sehen. „Eigenartig…“, murmelte er. „Mir wird schwindelig.“ Seine Stimme klang fern, fast so, als käme sie aus einem Radio, das nicht richtig eingestellt war. Er setzte die Brille wieder auf. Die Sonne ein halb verschlucktes Auge aus Licht.
Dann, wie von einem kosmischen Schalter ausgelöst, trat sie ein: Die totale Finsternis. Aber es war nicht die erwartete, ehrfurchtgebietende Dunkelheit, durchbrochen vom feurigen Lichtkranz der Korona. Nein. Es war nichts.
Nicht Schwarz, sondern tiefer als schwarz. Eine Dunkelheit, die Raum fraß. Eine Dunkelheit, die nicht durch Abwesenheit entstand, sondern durch die Präsenz von etwas Anderem. Etwas Fremdem. Etwas, das nicht aus Licht gemacht war.
Die Temperatur fiel schlagartig. Luft wurde zu Staub, der Wind zu einem kalten Schnitt durch Fleisch. Poster lösten sich von Wänden, flogen davon wie stumme Zeugen eines herannahenden Unheils. Papier wirbelte über das Pflaster.
Die Musik des Jahrmarkts war verstummt. Nur noch das dumpfe Murmeln der Menge, ein Knäuel aus Unsicherheit. Jordan schwankte. Seine Knie wurden weich, sein Magen fühlte sich plötzlich leer an.
Er setzte die Brille ab. Nichts. Nur Schwärze. Als er sie wieder aufsetzte, war es nicht besser kein Licht, keine Korona, nur Dunkelheit. In seinem Kopf flackerte etwas, ein metallisches Rauschen pulsierte hinter seinen Augen. Er zitterte.
Neben ihm fragte eine Frau mit nervöser Stimme: „Das ist normal, oder? Nur… eine atmosphärische Anomalie?“ Ein anderer Mann lachte trocken, unwirklich. Niemand antwortete.
Die Minuten zogen sich. Zehn. Zwanzig. Es wurde nicht heller. Weder Licht noch Netz. Die Handys zeigten nur noch flackernde Störungen, und aus den Radiostationen kam nichts als Rauschen. Selbst die Straßenlichter, von denen man dachte, sie seien unabhängig, begannen zu versagen. Ihre Leuchtkraft wurde… verschluckt. Jordan setzte erneut die Brille auf. Und wieder ab. Und wieder. Sein Kopf brannte. Die Geräusche um ihn herum verschwammen.
Da ein Gesicht. Eine Frau, erstaunt, beunruhigt. „Ist alles in Ordnung mit Ihnen?“ Sie beugte sich leicht vor. „Nicht jetzt… nicht…“, murmelte Jordan, fast zu sich selbst. Nicht hier. Nicht, weil es ihm neu war sondern weil es ihn bloßstellen würde. Er kannte diese Vorzeichen.
Doch es war zu spät. Sein Körper sackte zusammen. Seine Beine gaben nach wie unter plötzlicher Schwerkraft. Im Bruchteil einer Sekunde versuchte er, sich festzuhalten. „Entschuldigen Sie..“ sagte er, noch bevor er zugriff. Seine Finger krallten sich an ihrer Jacke fest zu spät. Sein ganzer Körper stürzte nach vorn, schwer und hilflos, wie ein zu Boden geworfener Schatten. Mit dem Gesicht zuerst auf das Pflaster.
Ein Schwall aus Spucke und Luft quoll aus seinem Mund. Er zitterte. Dann begann er zu beben. Ein Anfall. Sein Körper krümmte sich, wie eine Puppe unter Strom. Schaum bildete sich an seinen Lippen, tropfte auf das Pflaster. „Helft doch!“, schrie die Frau panisch. „Ruft bitte jemand an! Einen Arzt, einen Krankenwagen!“
Doch was sie erstarren ließ, war nicht der Schaum, nicht die Krämpfe oder das leise, keuchende Röcheln, das wie das Rasseln eines defekten Apparats aus seiner Kehle drang.
Es waren seine Augen. Sie waren offen weit, gläsern, aber nicht leer. Nicht verdreht. Nicht in Panik. Sie blickten sie direkt an. Ruhig. Gefasst. Nicht wie jemand, der starb. Nicht wie jemand, der um Hilfe flehte. Sondern wie jemand, der das alles schon hundertmal erlebt hatte.
Menschen drängten sich. Rufe. Chaos. Aber keine Reaktion aus der Außenwelt.
Blackout. Schwärze.
Eine halbe Stunde verging. Dann eine ganze. Die Dunkelheit blieb. Sie war nicht nur da sie wuchs. Sie drückte. Schlich sich unter Kleidung, unter Haut.
Die Menschen wurden unruhig. Kinder weinten. Polizisten standen blass und ratlos am Rand der Menge, ihre Funkgeräte versagten. Niemand hatte Antworten.
Dann ein Geräusch. Es war kein Schrei. Kein Brüllen. Eher ein Wispern. Ein Schaben. Ein mehrdimensionales Flüstern, das nicht aus einer Richtung kam sondern aus allen. Wie ein Strom, der sich durch Schatten wand.
Jordan öffnete die Augen. Er lag auf der Krankenliege im Krankenwagen am selben Ort. Kalter Schweiß auf seiner Stirn. Sein Blick war verschwommen doch er fühlte das Wispern.
Es strich durch seine Gedanken, kitzelte sein Innerstes. Etwas hatte ihn gesehen. „Hört ihr das?“, fragte er. Doch seine Stimme war ein Hauch.
Und dann bewegte sich der Himmel. Nicht wie Wolken. Nicht wie Licht. Sondern wie ein Schleier, der etwas verbarg. Etwas, das näherkam.






