Elias
Elias ist der Protagonist von PAREIDOLON und eine Figur, deren größte Stärke zugleich zum Ursprung ihrer Veränderung wird: sein Bedürfnis, zu beobachten, zu ordnen und...
Elias ist der Protagonist von PAREIDOLON und eine Figur, deren größte Stärke zugleich zum Ursprung ihrer Veränderung wird: sein Bedürfnis, zu beobachten, zu ordnen und Zusammenhänge zu erkennen.
Er ist Analyst – nicht nur beruflich, sondern in seiner gesamten Art zu denken. Für Elias ist die Welt ein System. Bewegungen haben Ursachen, Abweichungen müssen erklärbar sein und Ordnung bedeutet Sicherheit. Er glaubt daran, dass man etwas nur lange genug beobachten muss, um es irgendwann vollständig zu verstehen.
Doch genau dieser Gedanke beginnt ihn langsam zu verschlingen.
Elias lebt zurückgezogen und organisiert seine Umgebung mit beinahe wissenschaftlicher Genauigkeit. Gegenstände werden beschriftet, Abläufe festgelegt, Informationen archiviert und Störungen möglichst vollständig aus seinem Alltag entfernt.
Was für ihn zunächst Konzentration bedeutet, wird zunehmend zu Isolation.
Seine Kameras werden dabei zu einem zentralen Bestandteil seines Lebens. Elias beobachtet sein Haus, seinen Garten, seine Nachbarn und schließlich immer größere Teile seiner Umgebung. Er analysiert Wiederholungen, Bewegungsmuster und kleinste Abweichungen.
Aus einzelnen Kameras entsteht mit der Zeit ein Netzwerk.
Aus einem Netzwerk entsteht ein zweiter Blick.
Und irgendwann reicht Elias sein eigener menschlicher Blick nicht mehr aus.
Während sich die Welt um ihn herum verändert, beginnt auch sein Körper auf eine Weise zu reagieren, die sich nicht mehr eindeutig von seinen technischen Systemen trennen lässt. Kabel durchziehen sein Haus wie Adern. Kameras funktionieren wie zusätzliche Augen. Dunkelheit wird zu einem Raum, in dem er sich nicht nur versteckt, sondern zunehmend auflöst.
Schließlich nimmt Elias seine Umgebung nicht mehr ausschließlich mit seinen Augen wahr.
Seine Wahrnehmung verteilt sich.
Flächen, Reflexionen, Schatten und Blickwinkel werden zu Sensoren. Er kann einen Raum erfassen, ohne direkt hinzusehen. Der Garten wird zu einem Wahrnehmungsfeld, das Haus zu einem Netz und Elias selbst zu dessen Zentrum.
Damit verändert sich auch sein Körper.
Seine Gestalt wird dunkel, beinahe lichtverschluckend. Seine Gliedmaßen wirken länger und fremdartiger. Wenn er stillsteht, verschmilzt er nahezu vollständig mit seiner Umgebung.
Er versteckt sich nicht mehr im Schatten.
Er wird zum Schatten.
Diese Entwicklung führt schließlich zum Pareidolon.
Pareidolon ist dabei nicht einfach eine Kreatur, in die Elias verwandelt wird. Es ist die Konsequenz seiner gesamten Entwicklung: Ein Mensch, der so lange beobachtet hat, bis Beobachtung selbst zu seiner Existenz geworden ist.
Elias wird zu einem lebenden Beobachtungssystem.
Zu einer Kamera ohne Objektiv.
Zu einem Bewusstsein, das nicht länger an einen einzigen Körper oder einen einzigen Blickpunkt gebunden ist.
Seine Geschichte beschäftigt sich deshalb nicht nur mit Verwandlung oder Horror, sondern mit Isolation, Voyeurismus, digitaler Distanz und der Gleichgültigkeit des Beobachters.
Elias steht stellvertretend für den Menschen, der alles sehen möchte, sich dabei aber immer weiter von dem entfernt, was er beobachtet.
Am Ende stellt sich nicht mehr die Frage, was Elias sieht.
Sondern:
Was bleibt von einem Menschen übrig, wenn er selbst nur noch der Blick ist?






